Harry Potter und der Orden des Phönix (2 Disc Edition) May 30, 2008
In der fünften Harry Potter-Verfilmung ist die Welt der Zauberer endgültig nicht mehr heiter und sorglos: Lord Voldemort ist zurückgekehrt und plant mit Hilfe der Todesser, seine Schreckensherrschaft wieder zu errichten. Trotz aller Warnungen weigert sich das Ministerium der Magie jedoch, den Anfängen zu wehren. Ja, Zaubereiminister Cornelius Fudge verdächtigt Harry und Dumbledore sogar des Umsturzes, weil sie nicht von ihren angeblichen Verschwörungstheorien lassen wollen. Deshalb bestimmt Fudge seine Vertraute Dolores Umbridge zur neuen Professorin der Verteidigung gegen die Dunklen Künste. Umbridge, die alsbald den Titel einer Hohen Inquisitorin erhält, errichtet ein totalitäres Regime in Hogwarts, das George Orwells 1984 alle Ehre gemacht hätte. Ihre absurden Vorschriften und scheinbar willkürlichen Verbote machen nicht nur Harry das Leben schwer. Dabei hat er eigentlich schon mehr als genug Probleme: Er wird von seltsamen Alpträumen geplagt, ist zum ersten Mal verliebt sowie den Launen der Pubertät ausgesetzt und zu seinem großen Entsetzen muss er auch noch Einzelunterricht bei Snape nehmen.
Natürlich musste das bislang seitenstärkste Buch bei der filmischen Umsetzung ein paar Szenen und Handlungsstränge einbüssen. Aber das soll der Schaden des Films nicht sein: Wo im Buch (manchmal zu viel) geredet wird, setzt der Film auf Dramatik und Action. Vor allem Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint sind nicht nur mit, sondern auch an ihren Rollen gewachsen und beweisen besonderes Feingefühl bei den emotionalen Verstrickungen ihrer Charaktere. Dies ist sicherlich auch ein Verdienst des Regisseurs David Yates - bislang eher ein unbeschriebenes Blatt -, der eine exzellente Verfilmung vorgelegt hat. Yates gelingt es in düsteren Farben und bedrohlicher Atmosphäre, den Aufstieg des Faschismus in der Zaubererwelt in spektakuläre Bilder zu fassen und dabei nie seine Charaktere aus den Augen zu verlieren. So lässt er seine Schauspieler - allen voran Alan Rickman als Snape und Imelda Staunton - brillieren, ja sogar duellieren, dass es eine wahre Freude ist. Einzig der Titel gebende Orden des Phönix kommt etwas zu kurz. – Birgit Schwenger
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In Harrys fünftem Jahr geht es hoch her. Eine Menge passiert und die Ereignisse überschlagen sich. Dies ist die Stärke der Romanvorlage und dies ist gleichzeitig die größte Schwäche des Films, der sich nun einmal nicht fünf Stunden Zeit nehmen kann, um alles ausführlich zu erzählen und zu erklären. Wenn man nun nicht bereits aus dem Buch weiß, was denn alles passiert und warum und wo, taumelt man als Zuschauer besonders zu Beginn hilflos von Höhepunkt zu Höhepunkt, von den vertrauten Figuren zu neu eingeführten Charakteren, von einer Situation in die andere und nimmt die Szenen zwar in sich auf, wie sie kommen, weiß jedoch nicht so recht, was eigentlich wirklich vor sich geht. Man hat immer wieder das Gefühl, vielleicht einmal kurz eingenickt zu sein und etwas verpasst zu haben, weil einem der Anschluss fehlt. Dazu kommt ein immer wiederkehrendes Drehbuchproblem: zu oft werden Geschehnisse einfach nur erklärt und erzählt, statt diese wenigstens kurz in einem Rückblick filmisch zu zeigen. Es hätte Potter-Unkundigen sicherlich geholfen, glaubhafter zu vermitteln, wie bestimmte Figuren (vor allem Sirius) sich fühlen. Trotzdem: Einiges funktioniert auch im fünften Teil sehr gut. Da ist beispielsweise Newcomerin Evanna Lynch als “Luna Lovegood”, die Weisheit und Verträumtheit in sich birgt. Jede Szene mit ihr und Harry ist ein Genuss. Heimlicher Höhepunkt jedoch ist die Leistung von Imelda Staunton als “Dolores Umbridge”, die so böse und gemein ist, dass der Ungarische Hornschwanz dagegen wie ein liebes Schoßtierchen wirkt. Die Chemie zwischen Radcliffe, Watson und Grint stimmt immer noch, obwohl doch auffällig ist, dass sich Rupert Grint alias “Ron Weasley” wohl als einziger schauspielerisch weiter entwickelt hat. Viele Möglichkeiten, dies gehäuft unter Beweis zu stellen, ergeben sich jedoch leider nicht, denn er und “Hermine” scheinen nur da zu sein, um “Harry” die Bälle zuzuspielen. Wie sich ihre eigenen Figuren verändert haben, dafür reicht die Zeit eben nicht. Nur das Offensichtliche, das, was wichtig für die beiden letzten Filme ist, wird ihnen zugestanden. Die Spezialeffekte sind zum großen Teil gut geworden, aber es gibt nach wie vor Probleme mit digitalen Figuren. Hagrids Halbbruder Grawp sieht dermaßen dilettantisch aus, als hätte man ihn bereits in den Kindertagen von CGI animiert. Fazit: Für Potter-Fans zwar ein Muss der Vollständigkeit halber, dennoch wahrlich keine allzu grandiose (Drehbuch-) Leistung. Für nette 138 Minuten reicht der Film - nicht mehr, aber auch nicht weniger (more…)